Der Rimstigen ist ein steiler Bergpfad in den Felsflanken des Westufers am Nærøyfjord und bietet mit jedem Meter, den man höher hinauf steigt, atemberaubende Tiefblicke auf den zum Weltnaturerbe zählenden smaragdgrünen Fjord.

Und warum der Nærøyfjord zum Weltnaturerbe zählt, wird einem sehr schnell klar wenn man sich auf den alten Pfad begibt. Es erwartet einen eine wahnsinnig tolle Bergtour in traumhaft schöner Natur.

Ausgangspunkt der etwa 10,5 Kilometer langen Bergwanderung ist ein unscheinbarer Parkplatz unweit des kleinen Gehöfts Tufto direkt am Ufer des Fjords gelegen. Genau zwischen Tufto und dem Einstieg, welcher mit einer unübersehbaren Informationstafel versehen ist, stürzt sich die Tufteelvi entlang des Aufstiegs lautstark ins Tal.

Mit dem Auto gelangt man von Gudvangen aus am Hafen entlang nach Bakka. Nicht wundern, den direkt am Hafen könnte man meinen man fährt direkt in einen Steinbruch, aber genau diese Straße zwischen den Steinhalden hindurch muss man nehmen.

Hat man Bakka über die schmale Straße erreicht fährt man noch gut 200 bis 300 Meter weiter bis man den kleinen Parkplatz erreicht. Von hier aus sind es dann nur wenige Meter zum Einstieg und ab hier heißt es Höhenmeter sammeln.

Diese Tour ist definitiv nur etwas für jemanden mit guter Kondition, da es ganze 1300 Höhenmeter hinauf bis auf den Gipfel des Rimstigfjellet geht. Es wird also steil, und etwas Trittsicherheit kann auch nicht schaden. Zwar steht im Rother Wanderführer „Trittsicherheit und Schwindelfreiheit in punktuell ausgesetztem Gelände“, aber die ausgesetzten Punkte die Schwindelfreiheit erfordern habe ich nicht gefunden.

Da ist man aus den Alpen auf jeden Fall anderes gewohnt. Aber ich will es auch nicht ganz von der Hand weisen, denn es geht nun mal ordentlich nach oben. Und die Trittsicherheit ist definitiv neben der guten Kondition eine Grundvoraussetzung.

Grade an regnerischen Tagen, oder wenn es vorher viel geregnet hat, ist der Weg doch deutlich beschwerlicher und man sollte schon wissen was man da tut. Manche Stellen können dann schon arg glitschig sein.

Rimstigen bedeutet übrigens so viel wie Holzsteig. Nicht etwa weil die Bauern früher dort Holz transportierten, sondern weil sie möglicherweise hölzerne Leitern nutzten um die Felsstufen zu überwinden um auf die damalige Alm zu gelangen.

Zu Beginn führt der schmale Steig serpentinenartig über Wiesen und verläuft dann schnell in einen dichter bewachsenen Wald, welcher an vielen Stellen einen tollen Blick auf den Fjord freigibt und an denen man auch stehen bleiben sollte um mal kurz druchzuschnaufen.

Gelegentlich erblickt man auch die zahlreichen Ausflugsschiffe und Fähren auf dem Fjord, der ein beliebtes Ausflugsziel für viele Touristen ist, die teilweise sogar von Bergen aus per Schiff hier her fahren. Wer aber auf dem Rimstigen unterwegs ist hat auf jeden Fall die bessere Aussicht auf das Ostufer und den Fjord.

Nach dem man gut 500 Höhenmeter erklommen hat, führt ein kleiner Pfad rechts weg und gibt wenige Meter später einen tollen Blick auf einen kleinen Wasserfall der Tufteelvi frei, welcher sich schon eine ganze Weile vorher mit Getöse ankündigt. Es geht weiter steil bergauf und es folgen angelegte Steinstufen zwischen Felsflanken hindurch.

Allmählich wird das Gelände zunehmend wieder etwas flacher und man erreicht das Gebiet der ehemaligen Alm Rimstigen die hier vom Mittelalter bis ca. 1900 bewirtschaftet wurde. Von einem Gebäude fehlt aber jegliche Spur. Nur eine kleine Box beinhaltet ein Gästebuch in das man sich eintragen kann.

Man befindet sich nun 725 Meter über dem Nærøyfjord. Man folgt dem Pfad weiter in den Kessel hinein und durchquert die Tufteelvi. Viele Kraut- und Zwergengewächse säumen zusammen mit kleinen Birken den unscheinbaren Weg.

Etwas weiter links liegt ein kleiner See auf dem Grund des Rimstigbotn, aus der die Tufteelvi entspringt, und driekt dahinter erheben sich steile Felswände die zum Teil noch mit Restschneefeldern bedeckt sind.

Man folgt aber dem zweiten Wasserlauf hinauf zum Bergsee Skarsvotni, aus dem sich die Wassermaßen in weiteren Wasserfällen hinab ergießen und einen weiteren Quellbach der Tufteelvi bilden. Links davon erhebt sich die Skarsnosi 1462 unübersehbar.

Hat man die Ufer des kleinen Bergsees erreicht lohnt es sich eine kurze Pause zur Stärkung einzulegen. Danach durchquert man den Ablauf des Bachs und folgt dem Pfad am rechtsseitigen Ufer entlang.

Es empfiehlt sich die Wegmarkierungen gut im Auge zu behalten, da man sonst schnell den Abzweig zum Gipfel übersieht. Was jetzt auch nicht so dramatisch schlimm wäre, aber dann müsste man sich einen Weg über den steinigen Untergrund suchen, anstatt dem kaum sichtbaren Pfad zu folgen.

Für kurze Zeit wird der Weg nochmal etwas steiler und führt hinauf auf den Rimstigfjellet, einen eher flachen und schrofenartigen Gipfel auf 1299 Höhenmetern. Viele Steine sind von Flechten überwuchert und dazwischen findet sich wilder Graswuchs.

Steht man hier oben weiß man für was man sich die letzten Stunden gequält hat. Ein spektakulärer Anblick so hoch über dem Nærøyfjord. Man erblickt die Felskante der Breiskrednosi und den Grat Styvisdalseggi im Norden. Im Osten liegt der 1662 Meter hohe Store Breen.

Tief unten im Fjord lassen sich Styvi am Ostufer sowie Bakka nahe des Ausgangspunkts ausmachen. Und folgt der Blick dem Verlauf des Fjords entdeckt der aufmerksame Betrachter den Aurlandsfjord, einen weiteren Seitenarm des Sognefjords.

Hier oben könnte man bei gutem Wetter ewig verweilen. Jedoch wartet ja irgendwann der Abstieg, welcher demselben Pfad über dem Rimstigen zurück folgt.

Eine alternative Variante für Hartgesottene gibt es allerdings auch noch. Demnach würde man dem Weg weiter zur Breiskrednosi folgen, welcher dann weiter zu den Almen Vassete und Hjølmo und hinab nach Dyrdal verläuft. Das wären dann ganze 20 Kilometer und würde zusätzlich zum Aufstieg bis zum Rimstigfjellet nochmal 8 bis 10 Stunden mehr in Anspruch nehmen.

TOURINFOS:

  • Schwierigkeit: schwer

  • Streckenlänge: 10,7 km

  • Dauer: 7,5 Std

  • Aufstieg: 1305 m

  • Abstieg: 1298 m

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