Wer das Ostallgäu kennt, der kennt auch die Silhouette des markanten Zweitausenders, der den Namen Säuling trägt. Und wer als Bergliebhaber öfter in der Gegend unterwegs ist, kommt früher oder später nicht umher, diesen pyramidenähnlichen Berg zu besteigen.

Die Idee zur Besteigung reifte schon einige Jahre zuvor als ich das erste Mal die Klettersteige am Tegelberg gegangen bin und vom Branderschrofen den Nachbargipfel näher in Augenschein nehmen konnte.

Der 2047 Meter hohe Säuling ist ein Berg an der deutsch-österreichischen Grenze in den Ammergauer Alpen, die zu den nördliche Kalkalpen zählen. Von deutscher Seite aus bildet er, zusammen mit den Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau eine traumhafte Kulisse rund um die zahlreichen Seen wie Forgensee, Weißensee, Schwansee und Alpsee.

Laut Wikipedia geht man heute davon aus, dass Säuling, abgeleitet von Siulinc, so viel bedeutet wie Säule, was auch der massiven Gestalt entspräche.

Man kann direkt von Füssen im Allgäu aus starten und mit dem Bus bis nach Hohenschwangau fahren. Wer mit dem Auto anreist parkt am besten an der Verbindungsstraße ( Colomanstraße ) zwischen Hohenschwangau und der B17 bei Schwangau. Hier finden sich einige Parkbuchten wo man umsonst sein Auto abstellen kann.

Die Parkplätze rund um die Königsschlösser sind vergleichsweise richtig teuer. Alternativ dazu kann man auch an der Tegelbergbahn parken und einige Meter weiter laufen. Wer an der Straße losläuft, folgt dem geteerten Weg entlang den Weiden zur Gipsmühle direkt unterhalb von Schloss Neuschwanstein und unweit des Eingangs zur Pöllatschlucht.

1988 fiel die bis dato unter Denkmalschutz stehende Gipsmühle einem Brand zum Opfer. Einige Bilder an der Ruine zeugen heute von der damaligen Brandkatastrophe. Wenige Meter hinter der ehemaligen Mühle rauscht die Pöllat entlang und man folgt der Beschilderung in die Klamm hinein.

Der Weg durch die Pöllatschlucht ist mit Geländern und Stegen gut gesichert und führt hinauf zum Schloss Neuschwanstein. Die kleine aber feine Schlucht hat viel zu bieten und die Highlights sind sicherlich die kleineren Wasserfälle und Steinrinnen durch die das Wasser wild brausend hinab strömt, sowie der Pöllatfall unterhalb der Marienbrücke.

Hat man die Menschenmassen am Schloss Neuschwanstein hinter sich gelassen, folgt man dem Wasserleitungsweg weiter bergauf. Der breite Forstweg ist perfekt zum warmwerden und wird nur allmählich steiler.

Es geht vorbei am Gassenthomaskopf hinauf zu einer Weggabelung Namens Älpele, welche an einer kleinen Lichtung liegt. Der Säuling und der Zwölf-Apostel-Grat ragen steil vor einem auf. Der jetzt schmale Pfad verläuft hinein in einen Mischwald. Immer wieder gilt es Wurzelpassagen zu bewältigen und wenig später erreicht man die Wildsulzhütte an der sich der Weg gabelt.

Ab hier wird der Weg deutlich schwerer und ist als „schwarzer Bergweg“ gekennzeichnet. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unabdingbar. Man folgt dem linken Weg hinauf auf einen kleinen Rücken, der den Blick hinab zum Forgensee freigibt und von dem aus man ebenfalls den Branderschrofen sowie den Hohen Straußberg erblickt.

Der Weg verläuft nun für etwa einen halben Kilometer relativ eben und ist die Ruhe vor dem Sturm. An der nächsten Weggabelung hält man sich rechts dem steilen Pfad bergauf folgend. Hier müssen an einigen Stellen Hände und Füße zur Fortbewegung genutzt werden und an schwierigen Stellen findet sich eine Drahtseilversicherung.

Die Tiefblick die sich dabei immer wieder auftun sind traumhaft schön und man blickt weit hinein ins flache Alpenvorland.

Auf einer Höhe von etwa 1900 Meter über N.N. erreicht man die Säulingswiese auf der, laut der Füssener Webseite, schon das Kronprinzenpaar Maximilian und Marie speiste. Direkt auf der Grenzlinie verläuft nun der restliche Pfad hinauf zum Gipfel des Säulings.

Am Gipfelkreuz hat man einen fantastischen Rundumblick auf den Pilgerschrofen und den Zwölf-Apostel-Grat, die Seen rund um Füssen, hinunter nach Reutte im Lechtal und bis hinüber zum Zugspitzmassiv. Unzählige weitere Gipfel kompletieren das Bild.

Nach einer kurzen Rast und Stärkung geht es zuerst wieder hinab zur Säulingswiese und ab hier dem beschilderten Bergweg hinab zum Säulingshaus. Auf dem Wegweiser ist eine Gehzeit von 20 Minuten angegeben. Wie man das schaffen will weiß ich jedoch nicht.

Der Weg hinab ist als Säulingsteig ( Klettersteig A/B ) bekannt. Da die meisten diesen Weg auch als Aufstieg nutzen, ist der Fels hier extrem abgespeckt und selbst bei trockenem Wetter ordentlich rutschig. Als Sicherung dient hier kein Drahtseil sondern eine Stahlkette, die sich nicht sonderlich gut anfasst.

Wenigstens die Tiefblicke hinab zum Säulingshaus sind genial und man kann das kühle Radler schon fast in der Luft schmecken. Diese einfache Schutzhütte der Naturfreunde Ortsgruppe Augsburg auf 1720 Metern wurde 1925 erbaut.

Der gesammte Abstieg sowie das Säulingshaus liegen auf der österreichischen Seite und über Schotterpisten unterhalb des Zwölf-Apostel-Grat gelangt man um den Pilgerschofen herum.

Es geht entlang einiger hoher Felswände, in denen zahlreiche Kletterrouten auszumachen sind. Danach erreicht man eine Art Kessel von dem aus man einen tollen Blick auf den türkisfarbenen Alpsee hat. Danach gilt es nochmal einige Höhenmeter zu überwinden um wieder hinüber zur Wildsulzhütte zu gelangen.

An der Schutzhütte trifft man wieder auf den Rundweg und kann sich, nach einer weiteren kurzen Stärkung, auf den Abstieg begeben. Man folgt demselben Weg, den man beim Aufstieg erklommen hat, hinab zum Schloss Neuschwanstein und durch die Pöllatschlucht weiter zum Ausgangspunkt.

Wem die vielen Touristen nicht zu viel sind, der sollte noch einen kurzen Abstecher auf die Marienbrücke machen, von der aus man einen tollen Blick auf Schloss Neuschwanstein hat.

TOURINFOS:

  • Schwierigkeit: schwer

  • Streckenlänge: 18,8 km

  • Dauer: 7,5 Std

  • Aufstieg: 1363 m

  • Abstieg: 1365 m

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