Allzu viele Klettersteige gibt es in Norwegen nicht, aber einer der bekanntesten davon ist wohl der Himmelstigen. Dieser Klettersteig der Kategorie C wurde 2018 neu eröffnet, bzw. gab es vorher einen alten Klettersteig der nach einem Felssturz gesperrt ist.

Wer also eine Alternative zum überlaufenen Wanderweg zur Trolltunga sucht, wird mit dem nicht sehr anspruchsvollen Klettersteig fündig. Auch wenn ambitionierte Klettersteig-Geher sicher nicht auf Ihre Kosten kommen, sollte man sich den Himmelstigen nicht entgehen lassen.

Es warten spektakuläre Tiefblicke auf den Ringdalsvatnet sowie fantastische Fernblicke auf den Folgefonna Gletscher im Westen. Apropos Kosten! Wer den offiziellen Weg wählt und jede Gebühr bezahlt, für den wird es ein teures Unterfangen.

Insgesamt gibt es von Tyssedal am Hardangerfjord aus kommend drei ausgewiesene Parkplätze die in der Regel schon in den frühen Morgenstunden übervoll sind. Wer dem Parkchaos entgehen will reist am besten am Vorabend an und zeltet unweit des Mågeli Kraftwerk.

Die Parkgebühr für einen PKW beträgt umgerechnet 30 € und obendrauf kommen pro Person nochmal 10 € für den Shuttel-Bus. Oder man geht zu Fuß. Allerdings geht es über die teils sehr schmale Straße Skjeggedalsvegen ordentlich hinauf und der Hin- und Rückweg verlängert sich um knapp 4 Kilometer und gut 2 Stunden.

Angekommen am Wasserkraftwerk in Skjeggedal erblickt man zur linken Seite hin die neu angelegten Serpentinen hinauf zur Bergstation Mågelitopp die zu den Überresten der alten zweigleisigen Standseilbahn Mågelibanen gehört. Die Seilbahn wurde 1911 / 1912 für den Transport von Bauarbeitern und Ausrüstung zwischen den Orten Øvre und Nedre Bersåvatnet gebaut.

Normalerweise sollte man hier beim Trolltunga Active Store die Instandhaltungsgebühr von 200 NOK ( etwa 25 € ) zahlen, um die wir uns aber gekonnt gedrückt haben. Ob richtig oder falsch muss glaube ich jeder für sich entscheiden. Aber wir fanden die restlichen Gebühren schon hoch genug und machten uns so auf den Weg.

Zu Beginn folgt man der befestigten Straße hinauf zur Staumauer um dann dem Schotterweg entlang des Ringedalsvatnet für ca. 6 Kilometer zu folgen. Der türkisfarbene Stausee ist gut 8 Kilometer lang und liegt in der Gemeinde Odda im norwegischen Hordaland.

Der Weg verläuft relativ eben am Ringedalsvatnet entlang und bietet eine traumhafte Landschaft. Je weiter man Richtung Klettersteig gelangt, desto besser wird der Blick zurück bis hinüber zu den Schneebedeckten Bergen des Folgefonna-Gletschers.

Nach gut einer Stunde erreicht man eine Art Straßenbucht, wo die geführten Touren Ihre Mountainbikes abstellen. Wenig später gelangt man über eine hölzerne Brücke hinweg zu einem unübersehbares Hinweisschild mit der Aufschrift Via Ferrata Trolltunga.

Und jetzt wird es schweißtreibend. Gut eine weitere Stunde dauert jetzt noch der steile Zustieg über den schmalen Pfad den Berg hinauf. Der Pfad selber ist mit kleinen Plastikbändchen markiert, die hier und da an Bäumen angebracht sind.

Je weiter man nach oben gelangt desto weniger wird die Vegetation und die Felswände, in denen der Klettersteig verläuft, ragen steil vor einem auf. Und dann erreicht man schon fix und fertig den Einstieg des Klettersteigs.

Der folgende Teil den Drahtseilen und Eisenklammern entlang nach oben ist weniger anstrengend. Der Steig geht überwiegend senkrecht an Eisenklammern den Fels hoch. Man hat als Kletterer nur wenig Kontakt zum Fels. Hier und da gibt es mal eine schöne Querung, gefolgt von weiteren Eisenklammern.

Übertrieben gesagt ist es eine lange Leiter die Felswände hoch. Aber der Eintönigkeit des Klettersteigs wirkt die atemberaubende Aussicht entgegen. Und das funktioniert einwandfrei. Nach gut dreiviertel des Klettersteigs erreicht man eine Art Plateau gefolgt von einer kurzen Gehpassage.

Danach gibt es nochmal einen Abschnitt wo sich die Felsstruktur von den glatten Wänden unterhalb abhebt. Aber auch hier folgt eine Eisenklammer der anderen. Übrigens fand ich es eher befremdlich und störend, dass zur Sicherung nicht ein dickes Stahlseil angebracht ist, sondern zwei dünnere Stahlseile dem Steig folgen.

Nach gut zwei Stunden erreicht man dann den Ausstieg und wer gute Augen hat erblickt auf der anderen Seite schon die Trolltunga. Gut 2,5 Kilometer sind es noch bis an die spektakuläre Felszunge. Man folgt einfach dem Bergpfad hinauf zum breit ausgetretenen Wanderweg.

Die meisten Wanderer befinden sich schon wieder auf dem Rückweg, während man selber noch zum Tagesziel hin läuft. Auf einer von Gletschern geformten Landschaft geht es vorbei an zahlreihen Gumpen und kleine sowie größeren Seen.

Man befindet sich auf einer Höhe von gut 1200 Höhenmetern und der Weg verläuft auch hier ohne groß an Höhe zu gewinnen oder zu verlieren. Und dann steht man an der Abbruchkante etwa 700 Meter über dem Ringedalsvatnet und blickt auf die Troll-Zunge.

Die Trolltunga zählt, neben dem Kjeragbolten und dem Preikestolen, zu den spektakulärsten Bergformationen Norwegens. Diese Felsformation sieht aus wie eine riesige Zunge und ist gut 15 Meter lang. Am Anfang ist sie mehrere Meter dick und verjüngt sich zur Spitze hin bis auf wenige Zentimeter.

Die Wagemutigsten setzten sich sogar direkt an die Kante. Und wer ein wenig Warterei auf sich nimmt bekommt ein wirklich lohnenswertes Urlaubsfoto. Aber an Tagen mit gutem Wetter kann das schon mal 1 bis 2 Stunden in Anspruch nehmen.

Man sollte jedoch die Zeit nicht aus dem Auge verlieren, denn es wartet noch eine sehr lange und anstrengende Wanderung über die Hochebene zurück. Mehr als 3 Stunden muss man für den Abstieg noch einplanen.

Langweilig wird dieser Rückweg aber bei weitem nicht. Die Landschaft ist sehenswert und man kann verstehen warum überall Zelte aufgebaut werden um die Nacht dort zu verbringen. Jedoch wollte ich die ganze Ausrüstung nicht den Weg hinauf tragen. Verrückt was sich manche zumuten und erstaunlich was da so alles hinauf getragen wird.

Verlaufen kann man sich zumindest nicht. Und wer seinen Wasservorrat aufgebraucht hat, geht einfach an den nächsten Wasserlauf oder kleinen Wasserfall und füllt das kühle Nass auf. Besseres Trinkwasser wird es kaum geben.

Gut 8 Kilometer geht es entlang weiterer Wasserlöcher und zwischen Felsen hindurch bis zu einer Art Passhöhe. Erst danach geht es steiler bergab und man blick auf eine morastig wirkende kleine Hochebene.

Vereinzelt stehen hier Wohnhäuser in der kargen Landschaft und wären die tausenden Wandrer Jahr ein Jahr aus nicht, hätte man hier oben wohl absolut seine Ruhe. Hat man diese kleine Ebene durchquert erreicht man die betonierten Serpentinen der Straße die zur Bergstation der Standseilbahn führen.

Wer zeitig ist kann womöglich einen Platz in einem der Shuttelbusse ergattern. Wer zu spät kommt muss die Straßen hinunter laufen. Weiter rechts muss es wohl noch einen schmalen Wanderweg geben, der angenehmer zu laufen sei.

Ist man zurück am Mågeli Kraftwerk hat man ganze 26,2 Kilometer sowie 1248 Höhenmeter im Anstieg hinter sich und darf sich sein Feierabend-Bierchen schmecken lassen. Gut 11 Stunden dauert die gesamte Runde mit einigen Pausen.

Eine anstrengende und kräftezehrende Tagestour die man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

TOURINFOS:

  • Schwierigkeit: schwer

  • Streckenlänge: 26,2 km

  • Dauer: 11,5 Std

  • Aufstieg: 1248 m

  • Abstieg: 1254 m

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